„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“
Amos 5, Vers 24
Liebe Geschwister, liebe Freunde,
im Heiligtum von Bethel wird gerade Gottesdienst gefeiert. Der amtierende Priester hebt gerade die Hände, um den Segen Gottes über das Volk auszurufen, als er von einer schneidenden Stimme mit diesen Worten unterbrochen wird.
Amos heißt der Mann, der es wagt, den Gottesdienst zu stören. Er ist erfüllt von der Leidenschaft Gottes, der ihn gesandt hat, um sein Volk wieder auf den richtigen Weg zurückzuführen.
Amos zeichnet seinen unfreiwilligen Zuhörern ein Bild: Gerechtigkeit soll wie eine Quelle sein, aus der sich ein lebensspendender Strom auf das ganze Land ergießt und es erblühen lässt. Bestimmt hat er dabei an den unterirdischen See gedacht, der sich an seinem Heimatort Tekoa (südlich von Bethlehem) befindet. Wasser, das dem trockenen Land Israel Leben schenkt.
Die Worte des Propheten Amos lassen uns in das Herz Gottes schauen. Sie erinnern uns daran, dass mit dem, was Gott uns schenkt, eine Verantwortung einhergeht. Gott will mehr als nur unsere dankbaren Worte. Er will, dass unser Leben ein Ausdruck dieser Dankbarkeit wird. Er will, dass Gerechtigkeit wie ein Strom durch unser Land geht – zu den Benachteiligten, die keine Arbeit finden, zu den Alleinerziehenden, die sich mit mehreren Jobs über Wasser halten. Gott will, dass wir das lebensspendende Wasser nicht für uns behalten, sondern das Teilen lernen. Lernen, uns genügen zu lassen, damit alle in den Genuss des Lebens kommen.
Gott will Gerechtigkeit. Und Gerechtigkeit beginnt im Kleinen in unseren Familien, in der Gemeinde und am Arbeitsplatz. Lasst uns einen Blick entwickeln für die Menschen um uns herum.
Lasst uns nach Möglichkeiten suchen, damit Gerechtigkeit zu einem Fluss wird für die Verlierer unserer Gesellschaft: Obdachlose, Ausländer und alle, die benachteiligt und vergessen werden – ältere Menschen, Kranke und Einsame.
Ihr/Euer Viktor Petkau